Vier Generationen

WAZ vom 02.10.2008 - Text: Claudia Pospieszny

Auf eine 100-jährige, eine wechselvolle Geschichte blickt Wilhelm Weier, Senior- Chef des Bauunternehmens an der Sittardsberger Allee, zurück. Zwischenzeitlich leitet mit Sabine Weier die vierte Generation das Familienunternehmen.

Vier Generationen

Die Führungsriege: Chefin Sabine Weier-Krallmann mit (v. li.) Ingenieur Dirk Blomenkamp, Straßenbaumeister Wolfgang Krallmann und Senior-Chef Wilhelm Weier.
Foto: M. Röser

Nicht immer ein leichtes Unterfangen: „Im Krieg war es sehr schwierig”, sagt Wilhelm Weier. Gegründet habe sein Großvater die Firma im Jahr 1908 an der Mülheimer Straße; er führte die Geschäfte 22 Jahre lang, bis er gesundheitsbedingt die Leitung an Ehefrau Katharina und seinen Sohn Wilhelm übergab. Der Junior-Chef aber wurde zum Wehrdienst eingezogen. „Es ist Wahnsinn, was in dieser Zeit geleistet wurde”, sagt der jüngere Wilhelm Weier, „als mein Vater aus dem Krieg zurück kam, war das völlig zerbombte Wohnhaus bereits wieder aufgebaut.”

Mit Rückkehr des Sohnes zog sich Katharina Weier aus der Firma zurück, fortan leitete der Sohn das Hoch- und Tiefbau-Unternehmen – und übergab es seinerseits dem Sohn, der ebenfalls den Namen Wilhelm trug. Nicht immer seien die Zeiten in der Firma leicht gewesen, resümiert der heute 70- Jährige, der nach einer Ausbildung im elterlichen Betrieb studierte, Hochbau-Ingenieur wurde, „ich habe zwar Glück gehabt, dass mein Vater und mein Großvater mit der Firma das Fundament gelegt haben, aber es steckt auch viel harte Arbeit darin.”

Und nicht zuletzt schlaflose Nächte – Einbrüche am Markt führten dazu, dass sich Wilhelm Weier im Jahr 1982 vom Hochbau- Geschäft trennen musste, „sonst hätte die Firma zumachen können.” Nicht leicht sei ihm die Entscheidung gefallen, „aber wir haben gesehen, wie andere Betriebe dicht gemacht haben. Es war auf jeden Fall der richtige Schritt.” Wichtig sei ihm gewesen, keine Entlassungen aussprechen zu müssen: „Wir haben alle unsere Leute gehalten, und das, obwohl wir uns nach dieser Entscheidung auf den Tief- und Straßenbau beschränkt haben.” Hochbau- Tätigkeiten seien jetzt nur noch vereinzelt zu erledigen, „zum Beispiel, wenn wir im Kanalbau Mauerarbeiten machen.” Rund 30 Mitarbeiter hat die Firma heute „die meisten sind schon seit Jahren oder Jahrzehnten im Betrieb”, sagt Senior-Chef Wilhelm Weier.

Womit Junior-Chefin Sabine Weier-Krallmann glatt als „Neuzugang” durchgeht. Ihr beruflicher Werdegang führte nach einer Ausbildung zur Bankkauffrau, einem Beruf in dem sie über Jahre Erfahrung sammelte, im Jahr 2003 in den elterlichen Betrieb, in dem sie sich heute als Geschäftsführerin vorwiegend um die kaufmännischen Belange kümmert. Ehemann Wolfgang hingegen schlug die handwerkliche Laufbahn ein, als Tiefbauschacht- und Straßenbaumeister ist er in der Firma tätig. Konflikte mit dem Senior- Chef gebe es nicht: „Wir sind sehr froh, dass er hier im Betrieb hilft”, sagt die Tochter über den Vater, der beratend zur Seite stehe.

Doch trotz des geballten Know-Hows, leichter sei das Geschäft auch mit der Konzentration auf den Straßen und Tiefbau nicht geworden. Was an den immer härter werdenden Bedingungen am Markt, an EU-weiten Ausschreibungen liege. Die Weichen seien jedoch gestellt, „unser Betrieb ist nach der ISONorm zertifiziert und der einzige in Duisburg, der Dichtigkeitsprüfungen an Hausanschlusskanälen durchführt”, sagt Wilhelm Weier. Das 100-jährige Bestehen feiern die Inhaber heute mit Freunden und Kunden.